Wirtschaftsbericht

Unternehmensumfeld

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Das Wachstum der Weltwirtschaft setzte sich im ersten Halbjahr 2019 fort, erweist sich jedoch zunehmend als fragil. Belastungen ergeben sich insbesondere aus der globalen Unsicherheit im Hinblick auf eine mögliche weitere Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China sowie eine mögliche Ausweitung des Konflikts auf die Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union.

Gemäß Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union erhöhte sich das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum im ersten Quartal 2019 um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Ersten Schätzungen zufolge wird für das zweite Quartal 2019 mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet.

Das konjunkturelle Wachstum in Deutschland schwächte sich in der ersten Jahreshälfte 2019 ab. Das reale BIP stieg im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent. Im zweiten Quartal 2019 sank das reale BIP gemäß ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamts um 0,1 Prozent.

Die französische Wirtschaft konnte ihr mäßiges Wachstumstempo halten. Nach Angaben des Statistischen Amts Insee stieg das reale BIP im ersten Quartal 2019 um 0,3 Prozent und im zweiten Quartal 2019 um 0,2 Prozent.

Die Wirtschaft in Großbritannien wird weiterhin von der anhaltenden Unsicherheit im Zusammenhang mit dem geplanten EU-Austritt belastet. Das reale BIP erhöhte sich um 0,5 Prozent im ersten und sank um 0,2 Prozent im zweiten Quartal 2019.

Der Wachstumskurs in den USA setzte sich fort. Das reale BIP wuchs im ersten Quartal 2019 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,1 Prozent. Im zweiten Quartal 2019 nahm das reale BIP nach ersten Berechnungen des Bureau of Economic Analysis annualisiert um 2,1 Prozent zu.

Die bisherigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen liegen für einige Regionen unterhalb der erwarteten Tendenz für das laufende Jahr, insgesamt jedoch im Rahmen der im zusammengefassten Lagebericht 2018 formulierten Erwartungen.

Entwicklung relevanter Märkte

Die europäischen TV-Werbemärkte entwickelten sich im ersten Halbjahr 2019 uneinheitlich. Während der TV-Werbemarkt in Deutschland einen moderaten Rückgang verzeichnete, gingen die TV-Werbemärkte in Spanien und Belgien deutlich bzw. stark zurück. Dagegen entwickelten sich die TV-Werbemärkte in Frankreich stabil und in den Niederlanden sowie Ungarn leicht positiv.

Die Märkte für gedruckte Bücher verzeichneten im ersten Halbjahr 2019 in den USA und Großbritannien ein moderates, in Deutschland und im spanischsprachigen Markt ein leichtes Wachstum. Die Verlagsumsätze mit E-Books gingen in den USA und in Großbritannien moderat bzw. deutlich zurück. Die Märkte für Audiobücher in den USA und Großbritannien setzten ihr starkes Wachstum fort.

Die Zeitschriftenmärkte in Deutschland und Frankreich waren im Berichtszeitraum durch stark rückläufige Print-Anzeigenerlöse und deutlich rückläufige Vertriebserlöse geprägt, während die digitalen Märkte insgesamt ein starkes Wachstum verzeichneten.

Die weltweiten Musikverlagsmärkte verzeichneten ein moderates Wachstum, während die weltweiten Tonträgermärkte ein deutliches Wachstum aufwiesen, getrieben durch das kontinuierliche Wachstum des digitalen Streamingmarktes.

Die für Arvato relevanten Dienstleistungsmärkte zeigten in den ersten sechs Monaten 2019 ein moderates bis deutliches Wachstum.

Die relevanten Tiefdruckmärkte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien entwickelten sich im ersten Halbjahr 2019 stark rückläufig, die entsprechenden Offsetmärkte moderat rückläufig. Der nordamerikanische Buchdruckmarkt verzeichnete im selben Zeitraum einen moderaten Rückgang.

Die US-amerikanischen Bildungsmärkte sind im ersten Halbjahr 2019 in den für Bertelsmann relevanten Marktsegmenten E-Learning, mit den Bereichen Gesundheitswesen und Technologie, sowie in der Hochschulbildung, mit den Bereichen Universität und Dienstleistungen, stark gewachsen.

Die bisherigen Entwicklungen der relevanten Märkte liegen im Wesentlichen im Rahmen der im zusammengefassten Lagebericht 2018 erwarteten Tendenz für das laufende Jahr.

Wichtige Ereignisse des laufenden Geschäftsjahres

Mit Wirkung zum 4. Januar 2019 wurden die weltweiten Customer-Relationship-Management-Geschäfte von Bertelsmann und der marokkanischen Saham Group zusammengelegt. An dem vom Bertelsmann beherrschten neuen Unternehmen Majorel halten beide Partner je 50 Prozent der Anteile. Majorel wird im Bertelsmann-Konzernabschluss vollkonsolidiert.

Mit Wirkung zum 31. März 2019 schied Kasper Rorsted, Vorstandsvorsitzender der adidas AG, aus dem Bertelsmann-Aufsichtsrat aus. Über die Nachfolge entscheidet die Bertelsmann-Hauptversammlung zu gegebener Zeit.

Zum 1. April 2019 übernahm Penguin Random House den britischen Kinderbuchverlag Little Tiger Group und baute so seine Stellung im englischsprachigen Kinder- und Jugendbuchbereich weiter aus.

Mit Wirkung zum 1. April 2019 wurde Thomas Rabe vom Verwaltungsrat der RTL Group zum Chief Executive Officer der RTL Group berufen. Thomas Rabe bleibt zugleich Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann.

Ebenfalls im April 2019 vollzog die Mediengruppe RTL Deutschland den Verkauf ihres Tochterunternehmens Universum Film an den Investor KKR.

Im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung seiner Druckgeschäfte hat Bertelsmann beschlossen, den Prinovis-Standort in Nürnberg zum 30. April 2021 zu schließen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die massiven Überkapazitäten im Tiefdruck deutlich zu reduzieren, um dem zunehmenden Preisverfall im Geschäftsfeld Tiefdruck entgegenzuwirken.

Im Mai und Juni 2019 wurden die zu OnCourse Learning gehörenden Geschäftseinheiten für die Bereiche Finanzdienstleistungen und Immobilien gesondert an Investoren verkauft. Der Online-Weiterbildungsbereich für das Gesundheitswesen von OnCourse Learning wurde in die Bertelsmann-Education- Tochter Relias integriert.

Ertragslage

Umsatzentwicklung

Der Konzernumsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr 2019 um 4,6 Prozent auf 8.612 Mio. € (H1 2018: 8.237 Mio. €). Bereinigt um Wechselkurseffekte von 1,5 Prozent (H1 2018: -3,1 Prozent) sowie Portfolio- und sonstige Effekte von -0,1 Prozent (H1 2018: 2,0 Prozent) verbesserte sich das organische Umsatzwachstum auf 3,2 Prozent (H1 2018: 2,4 Prozent).

Die RTL Group verzeichnete im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatzanstieg, der insbesondere auf die positive Entwicklung von Fremantle und die wachsenden Digitalgeschäfte zurückzuführen war. Penguin Random House erzielte einen starken Umsatzanstieg angesichts einer starken Bestsellerperformance, hoher Wachstumsraten bei Audioformaten sowie von Zukäufen. Bei Gruner + Jahr verringerte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum vorwiegend aufgrund der fortgesetzten Portfoliomaßnahmen. Die Umsätze aus Digitalgeschäften legten hingegen weiter zu. Der Umsatz von BMG erhöhte sich durch den fortgesetzten organischen Geschäftsausbau. Arvato erzielte Umsatzzuwächse angesichts eines erfolgreichen Geschäftsverlaufs insbesondere im Bereich Supply Chain Solutions. Der Umsatz der Bertelsmann Printing Group blieb weitgehend stabil in einem herausfordernden Marktumfeld. Der Umsatz der Bertelsmann Education Group erhöhte sich insbesondere durch organisches und akquisitorisches Wachstum des Online-Bildungsanbieters Relias. Beteiligungen von Bertelsmann Investments werden in der Regel nicht vollkonsolidiert, sodass überwiegend kein Umsatzausweis für diesen Unternehmensbereich erfolgt.

Der Umsatzanteil der Wachstumsgeschäfte auf Basis einer rollierenden 12-Monats-Betrachtung stieg durch organisches Wachstum und Akquisitionen auf insgesamt 35 Prozent an (H1 2018: 32 Prozent), während der Umsatzanteil strukturell rückläufiger Geschäfte mit 4 Prozent (H1 2018: 4 Prozent) stabil blieb. Die Wachstumsgeschäfte umfassen jene Aktivitäten, die aufgrund nachhaltig positiver Marktfaktoren kontinuierliche Umsatzsteigerungen erwarten lassen und im Rahmen der Konzernstrategie als Wachstumsprioritäten identifiziert wurden.

In der geografischen Umsatzverteilung ergaben sich geringfügige Veränderungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatzanteil in Deutschland lag bei 33,0 Prozent im Vergleich zu 34,5 Prozent im ersten Halbjahr 2018. Auf die Geschäfte in Frankreich entfiel ein Umsatzanteil von 12,4 Prozent (H1 2018: 13,6 Prozent). In Großbritannien belief sich der Umsatzanteil auf 6,4 Prozent (H1 2018: 6,1 Prozent), während die übrigen europäischen Länder einen Umsatzanteil von 18,4 Prozent (H1 2018: 18,8 Prozent) erreichten. Der Anteil der USA am Gesamtumsatz lag bei 23,5 Prozent (H1 2018: 20,8 Prozent), in den sonstigen Ländern wurde ein Anteil von 6,3 Prozent (H1 2018: 6,2 Prozent) erwirtschaftet. Damit betrug der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz 67,0 Prozent (H1 2018: 65,5 Prozent). Das Verhältnis der vier Erlösquellen (Produkte und Waren, Werbung und Anzeigen, Dienstleistungen, Rechte und Lizenzen) zueinander blieb im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 weitgehend unverändert.

Operating EBITDA

Im Berichtszeitraum erhöhte sich das Operating EBITDA um 20,6 Prozent auf 1.292 Mio. € (H1 2018: 1.071 Mio. €). Der signifikante Anstieg ist neben einer positiven Geschäftsentwicklung auch auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 16 „Leasingverhältnisse“ zurückzuführen. Im Zusammenhang mit der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 werden die Aufwendungen aus Leasingverhältnissen grundsätzlich nicht mehr im operativen Ergebnis ausgewiesen (detaillierte Erläuterung hierzu im Konzernanhang „Auswirkungen von neuen Rechnungslegungsstandards“). Hiervon profitierte die Ergebnisentwicklung aller Unternehmensbereiche, insbesondere profitierten Arvato, RTL Group und Penguin Random House. Die EBITDA-Marge stieg auf 15,0 Prozent nach 13,0 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Operating EBITDA

in Mio. €1. Halbjahr 20191. Halbjahr 2018
EBIT (Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern)824769
Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte461311
Korrektur um in Sondereinflüssen enthaltene Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte-12-1
Sondereinflüsse19-8
davon: RTL Group-69
davon: Penguin Random House93
davon: Gruner + Jahr196
davon: BMG56
davon: Arvato38
davon: Bertelsmann Printing Group771
davon: Bertelsmann Education Group-319
davon: Bertelsmann Investments7-46
davon: Corporate-15
Operating EBITDA1.2921.071

Das Operating EBITDA der RTL Group erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Anstieg war insbesondere auf Ergebnisverbesserungen bei Fremantle und der französischen Groupe M6 zurückzuführen und konnte höhere Programmkosten der Mediengruppe RTL Deutschland sowie höhere Investitionen in Video-on- Demand- Angebote mehr als ausgleichen. Penguin Random House erzielte deutliche Ergebniszuwächse dank einer anhaltend starken Bestsellerperformance. Trotz geringerer Umsätze verbesserte sich das Operating EBITDA bei Gruner + Jahr. Das Operating EBITDA von BMG verbesserte sich angesichts des fortgesetzten organischen Geschäftsausbaus. Das Operating EBITDA von Arvato erhöhte sich signifikant infolge der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 und einer positiven Geschäftsentwicklung der Supply Chain Solutions. Trotz rückläufiger Mengen und anhaltenden Preisdrucks erzielte die Bertelsmann Printing Group ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Das Operating EBITDA der Bertelsmann Education Group stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an, insbesondere durch Relias. Beteiligungen von Bertelsmann Investments werden in der Regel nicht vollkonsolidiert, sodass überwiegend kein operativer Ergebnisausweis für diesen Unternehmensbereich erfolgt.

Sondereinflüsse

Die Sondereinflüsse beliefen sich insgesamt auf -19 Mio. € (H1 2018: 8 Mio. €). Sie setzten sich zusammen aus Wertaufholungen auf sonstige Finanzanlagen zu fortgeführten Anschaffungskosten von 8 Mio. € (H1 2018 Wertminderung: -1 Mio. €), Anpassungen der Buchwerte der zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerte von -7 Mio. € (H1 2018: -3 Mio. €), einem Ergebnis aus Beteiligungsverkäufen von 76 Mio. € (H1 2018: 19 Mio. €), Bewertungen von Beteiligungen zum beizulegenden Zeitwert von 9 Mio. € (H1 2018: 44 Mio. €) sowie Restrukturierungsaufwendungen und weiteren Sondereinflüssen von insgesamt -105 Mio. € (H1 2018: -49 Mio. €). Im ersten Halbjahr 2019 enthielten die Sondereinflüsse keine Wertminderungen und Wertaufholungen auf at-equity bilanzierte Beteiligungen nach -2 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg der Restrukturierungskosten ist im Wesentlichen auf die Neuaufstellung des Druckgeschäftes zurückzuführen.

EBIT

Ausgehend vom Operating EBITDA ergab sich nach Einbeziehung der Sondereinflüsse in Höhe von -19 Mio. € (H1 2018: 8 Mio. €) sowie der nicht in den Sondereinflüssen enthaltenen Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte in Höhe von -449 Mio. € (H1 2018: -310 Mio. €) im Berichtszeitraum ein EBIT von 824 Mio. € (H1 2018: 769 Mio. €). Der Anstieg der nicht in den Sondereinflüssen enthaltenen Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen ist neben der operativen Geschäftsentwicklung auf die erstmalige Anwendung von IFRS 16 (detaillierte Erläuterung hierzu im Konzernanhang „Auswirkungen von neuen Rechnungslegungsstandards“) zurückzuführen.

Konzernergebnis

Das Finanzergebnis belief sich auf -168 Mio. € (H1 2018: -106 Mio. €). Die Abweichung ist zurückzuführen auf Effekte aus der Marktbewertung von Derivaten, die zur Sicherung konzerninterner Transaktionen abgeschlossen wurden, sowie auf die erstmalige Berücksichtigung des Aufzinsungseffektes der Leasingverbindlichkeiten infolge der Einführung von IFRS 16. Der Steueraufwand lag bei -154 Mio. € nach -162 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis nach Steuern aus fortgeführten Aktivitäten liegt somit bei 502 Mio. € (H1 2018: 501 Mio. €). Da im Berichtszeitraum keine Gesellschaften als nicht fortgeführte Aktivitäten klassifiziert sind, beträgt das Konzernergebnis ebenfalls 502 Mio. € (H1 2018: 501 Mio. €). Der Anteil der Bertelsmann-Aktionäre am Konzernergebnis lag bei 325 Mio. € (H1 2018: 349 Mio. €). Der Anteil der nicht beherrschenden Anteilseigner am Konzernergebnis belief sich auf 177 Mio. € (H1 2018: 152 Mio. €).

Finanz- und Vermögenslage

Finanzierungsgrundsätze

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel von Bertelsmann ist die Gewährleistung eines ausgewogenen Verhältnisses von Finanzierungssicherheit, Eigenkapitalrentabilität und Wachstum. Dazu richtet der Konzern seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/ BBB+“ und den damit verbundenen qualitativen und quantitativen Kriterien aus. Rating und Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt leisten einen bedeutenden Beitrag zur finanziellen Sicherheit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

Entsprechend der Konzernstruktur erfolgt die Kapitalallokation zentral über die Bertelsmann SE & Co. KGaA, die die Konzerngesellschaften mit Liquidität versorgt und die Vergabe von Garantien und Patronatserklärungen für Konzerngesellschaften steuert. Der Konzern optimiert hierüber seine Kapitalbeschaffungs- und Anlagemöglichkeiten.

Die finanzielle Steuerung bei Bertelsmann erfolgt nach quantifizierten Finanzierungszielen, die sich an der wirtschaftlichen Verschuldung und mit abgeschwächter Bedeutung an der Kapitalstruktur orientieren. Zu den Finanzierungszielen gehört ein dynamischer Verschuldungsgrad (Leverage Factor), der sich aus dem Verhältnis der wirtschaftlichen Schulden zum Operating EBITDA über einen 12-Monats-Zeitraum ergibt und den definierten Wert von 2,5 nicht dauerhaft überschreiten sollte. Das Operating EBITDA (12 Monate) betrug per 30. Juni 2019 2.644 Mio. €. Die wirtschaftlichen Schulden sind definiert als Nettofinanzschulden abzüglich 50 Prozent des Nominalkapitals der Hybridanleihen in Höhe von 625 Mio. € (31. Dezember 2018: 625 Mio. €), zuzüglich Pensionsrückstellungen in Höhe von 1.995 Mio. € (31. Dezember 2018: 1.738 Mio. €), Genusskapital in Höhe von 413 Mio. € (31. Dezember 2018: 413 Mio. €) und Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 1.299 Mio. € (31. Dezember 2018: 1.161 Mio. €). Die wirtschaftlichen Schulden lagen per 30. Juni 2019 bei 7.065 Mio. € (31. Dezember 2018: 6.619 Mio. €). Der Anstieg ist vor allem auf gestiegene Pensionsrückstellungen aufgrund eines gesunkenen Diskontierungszinssatzes sowie den Anstieg der Leasingverbindlichkeiten zurückzuführen. Bei der Ermittlung des Verschuldungsgrads werden die wirtschaftlichen Schulden und das 12-Monats-Operating-EBITDA modifiziert, um eine der Struktur des Konzerns entsprechende finanzielle Steuerung zu ermöglichen. Die wirtschaftlichen Schulden wurden daher rechnerisch um 250 Mio. € (31. Dezember 2018: 136 Mio. €) erhöht, das Operating EBITDA um -294 Mio. € (31. Dezember 2018: -108 Mio. €) vermindert. Zum 30. Juni 2019 ergibt sich somit ein Leverage Factor von 2,8 (31. Dezember 2018: 2,7).

Die Nettofinanzschulden erhöhten sich leicht auf 3.983 Mio. € nach 3.932 Mio. € zum 31. Dezember 2018. Die Erhöhung ist unter anderem auf Dividendenzahlungen an Aktionäre und nicht beherrschende Anteilseigner zurückzuführen, die überwiegend im ersten Halbjahr erfolgen. Gegenläufig wirkten Verkaufserlöse infolge von Portfoliomaßnahmen.

Finanzierungsaktivitäten

Im Berichtszeitraum wurden ein im Februar 2019 fälliges Schuldscheindarlehen über 150 Mio. € und ein im Mai 2019 fälliges Schuldscheindarlehen über 60 Mio. € zurückgezahlt. Darüber hinaus wurde die zuvor bis 2021 laufende syndizierte Kreditlinie mit 15 Banken im Juli 2019 vorzeitig erneuert. Diese bildet das Rückgrat der strategischen Kreditreserve und kann von Bertelsmann bis zum Jahr 2024 durch Ziehung in Euro, US-Dollar und Britischen Pfund bis zu einem Betrag von 1,2 Mrd. € revolvierend in Anspruch genommen werden.

Rating

Bertelsmann wird von Moody’s mit „Baa1“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: stabil) bewertet. Beide Credit Ratings liegen im Investment-Grade-Bereich und entsprechen dem Zielrating von Bertelsmann. Die Einschätzung zur kurzfristigen Kreditqualität von Bertelsmann wird von Moody’s mit „P-2“ und von S&P mit „A-2“ beurteilt.

Kapitalflussrechnung

Konzern-Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)

in Mio. €1. Halbjahr 20191. Halbjahr 2018
Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit568309
Cashflow aus Investitionstätigkeit-107-354
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit-601-459
Zahlungswirksame Veränderung der liquiden Mittel-140-504
Wechselkursbedingte und sonstige Veränderungen der liquiden Mittel-59
Liquide Mittel am 1.1.1.4051.442
Liquide Mittel am 30.6.1.260947
Abzüglich liquider Mittel der Veräußerungsgruppen-29
Liquide Mittel am 30.6. (laut Konzernbilanz)1.231947

Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit in Höhe von 568 Mio. € generiert (H1 2018: 309 Mio. €). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit belief sich auf -107 Mio. € nach -354 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Die Abweichung ist unter anderem auf höhere Erlöse aus dem Verkauf von Tochterunternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten zurückzuführen. Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit lag bei -601 Mio. € (H1 2018: -459 Mio. €). Die liquiden Mittel reduzierten sich auf 1.231 Mio. € zum 30. Juni 2019 (31. Dezember 2018: 1.405 Mio. €). Vor dem Hintergrund der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 ergab sich eine Verbesserung des operativen Cashflows, während die Leasingzahlungen den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit belasteten (detaillierte Erläuterung hierzu im Konzernanhang „Auswirkungen von neuen Rechnungslegungsstandards“).

Investitionen

Im ersten Halbjahr 2019 beliefen sich die Investitionen gemäß Kapitalflussrechnung auf 578 Mio. € (H1 2018: 476 Mio. €). Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte betrugen 141 Mio. € (H1 2018: 145 Mio. €) und entfielen insbesondere auf die RTL Group für Investitionen in Filmrechte sowie auf BMG für den Erwerb von Musikkatalogen. Von den Sachanlageinvestitionen in Höhe von 155 Mio. € (H1 2018: 143 Mio. €) entfiel wie im Vorjahreszeitraum ein Großteil auf Arvato. Für Investitionen in Finanzanlagen wurden 189 Mio. € (H1 2018: 120 Mio. €) aufgewandt. Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) lagen im Berichtszeitraum bei 93 Mio. € (H1 2018: 68 Mio. €). Hierzu zählten insbesondere die Akquisitionen von Penguin Random House, wie der britische Kinderbuchverlag Little Tiger Group. Die Erlöse aus dem Verkauf von Tochterunternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten betrugen 217 Mio. € (H1 2018: 11 Mio. €) und beziehen sich unter anderem auf den Verkauf von Universum Film.

Bilanz

Zum 30. Juni 2019 betrug die Bilanzsumme 26,2 Mrd. € (31. Dezember 2018: 25,3 Mrd. €). Der Anstieg der Bilanzsumme resultierte im Wesentlichen aus der Erstanwendung von IFRS 16 (detaillierte Erläuterung hierzu im Konzernanhang „Auswirkungen von neuen Rechnungslegungsstandards“). Die Pensionsrückstellungen erhöhten sich infolge gesunkener Diskontierungszinssätze auf 2,0 Mrd. € (31. Dezember 2018: 1,7 Mrd. €). Das Eigenkapital betrug 9,9 Mrd. € nach 9,8 Mrd. € zum 31. Dezember 2018. Daraus ergab sich eine Eigenkapitalquote von 37,6 Prozent (31. Dezember 2018: 38,8 Prozent). Die liquiden Mittel reduzierten sich zum 30. Juni 2019 auf 1.231 Mio. € nach 1.405 Mio. € zum 31. Dezember 2018.

Mitarbeiter

Zum 30. Juni 2019 beschäftigte Bertelsmann weltweit 125.931 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Geschäftsverlauf der Bereiche des Konzerns

RTL Group

Die RTL Group steigerte ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2019 auf einen neuen Höchstwert; auch das Operating EBITDA erreichte trotz gestiegener Investitionen in Programm- und Video-on-Demand-Angebote ein höheres Niveau. Der Umsatz der Gruppe legte um 4,2 Prozent auf 3,2 Mrd. € zu (H1 2018: 3,0 Mrd. €), getrieben durch ein wachsendes Produktionsgeschäft bei Fremantle sowie wachsende Digitalgeschäfte, deren Umsatz sich um 21,0 Prozent auf 513 Mio. € (H1 2018: 424 Mio. €) erhöhte. Das Operating EBITDA lag mit 665 Mio. € 3,4 Prozent über dem Vorjahreswert von 643 Mio. €. Ergebnisverbesserungen bei Fremantle und der französischen Groupe M6 sowie positive Effekte aus der erstmaligen Anwendung eines neuen Rechnungslegungsstandards glichen erhöhte Programmkosten bei der Mediengruppe RTL Deutschland mehr als aus.

Die RTL Group verzeichnete zum Ende des ersten Halbjahres 1,2 Mio. zahlende Abonnentinnen und Abonnenten auf ihren Video-on-Demand-Plattformen TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden; dies entspricht einem Anstieg um 46,2 Prozent binnen Jahresfrist. Die VoD-Plattformen leisteten damit einen spürbaren Erlösbeitrag. Rückläufige TV-Werbeerlöse bei der Mediengruppe RTL Deutschland und bei RTL Nederland konnten mit den höheren VoD-Umsätzen und mit gesteigerten Distributionsumsätzen teilweise kompensiert werden. Die französische Groupe M6 verzeichnete leicht gestiegene TV-Werbeeinnahmen.

In Deutschland steigerten die Sender der Mediengruppe RTL ihren Zuschauermarktanteil in der Kernzielgruppe, in Frankreich hielt die Groupe M6 ihren Zuschauermarktanteil in der Kernzielgruppe auf Vorjahresniveau. In den Niederlanden gab der Zuschauermarktanteil der Senderfamilie von RTL Nederland leicht nach.

Der Produktionsarm Fremantle wuchs im Berichtszeitraum kräftig: Der Umsatz und das Operating EBITDA erhöhten sich dank erfolgreicher Show- und Serienproduktionen in den USA sowie gut laufender Geschäfte bei der UFA in Deutschland.

Seit April 2019 wird die RTL Group von Thomas Rabe geführt, der diese Aufgabe zusätzlich zu seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann übernahm.

Penguin Random House

Penguin Random House verzeichnete ein starkes erstes Halbjahr 2019 mit Zuwächsen bei Umsatz, Ergebnis und Marktanteilen der Publikumsverlagsgruppe in zentralen Märkten. Unter Berücksichtigung der vollständig von Bertelsmann gehaltenen Verlagsgruppe Random House erreichte der Umsatz 1,7 Mrd. € (H1 2018: 1,5 Mrd. €). Die Steigerung um 11,3 Prozent ist vor allem auf zugkräftige Bestseller, hohe Wachstumsraten bei Audioformaten und Zukäufe zurückzuführen. Das Operating EBITDA stieg von 171 Mio. € im Vorjahreszeitraum um 33 Prozent auf nunmehr 227 Mio. €.

Das Halbjahr war maßgeblich geprägt von einer starken Bestsellerperformance, allen voran die Autobiografie „Becoming“ der früheren First Lady der USA, Michelle Obama. Nach sieben Millionen verkauften Exemplaren im Jahr 2018 wurde „Becoming“ von Januar bis Juni 2019 weltweit weitere gut 2,8 Millionen Mal von Penguin-Random- House-Unternehmen abgesetzt. Zusammen mit Ausgaben, die unter der Regie von Penguin Random House in Lizenz in 45 Sprachen und allen Formaten verkauft wurden, summierte sich der weltweite Absatz seit der Erstveröffentlichung auf mehr als 11,5 Mio. Exemplare.

Mehr als zwei Millionen Mal verkaufte sich der Roman „Where the Crawdads Sing“ von Delia Owens im Print-, Audio- oder E-Book-Format. „The Mister“ von E L James hielt sich wochenlang auf Platz eins der „New York Times“-Bestsellerlisten. Insgesamt platzierte Penguin Random House dort im ersten Halbjahr 191 Titel, davon 21 auf Platz eins (H1 2018: 178/25). In Großbritannien stammten 46 Prozent aller Titel auf den Bestsellerlisten der „Sunday Times“ von Penguin Random House UK (H1 2018: 41 Prozent) und in Deutschland stellte die Verlagsgruppe Random House 261 Titel auf den „Spiegel“-Bestsellerlisten, darunter 13 auf Platz eins (H1 2018: 251/11).

Penguin Random House erwarb den britischen Kinderbuchverlag Little Tiger Group sowie in den USA einen Anteil an dem innovativen Verlag Sourcebooks. Penguin Random House Grupo Editorial baute ihre führende Position im spanischsprachigen Markt mit der Übernahme der Verlagsgruppe Ediciones Salamandra aus. Penguin Random House investierte weiter in den Ausbau direkter Leserbeziehungen per E-Mail, Social Media, Podcast, Websites und Kreativ-Kampagnen.

Gruner + Jahr

Die Verlagstochter Gruner + Jahr blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2019 und steigerte das Operating EBITDA um 21 Prozent auf 62 Mio. € (H1 2018: 51 Mio. €). Für den dreiprozentigen Umsatzrückgang auf 677 Mio. € (H1 2018: 701 Mio. €) sind u. a. die fortgesetzten Portfoliomaßnahmen verantwortlich, vor allem die Veräußerung von Ligatus. Das Digitalgeschäft wuchs erneut in Umsatz und Ergebnis.

In Deutschland verzeichnete G+J bei stabiler Umsatzentwicklung ein stark wachsendes Ergebnis. Ausschlaggebend hierfür ist die erfolgreiche Transformation des Geschäfts: Erneutes Digitalwachstum, der starke Ausbau des Markenzusatzgeschäfts sowie erfolgreiche Printinnovationen übertrafen die Rückgänge im Printanzeigen- und Vertriebsgeschäft.

Auch G+J Frankreich konnte das Ergebnis steigern. Verantwortlich dafür war unter anderem das digitale Werbegeschäft bei den Markensites. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Webvideos. Prisma Media ist weiter der führende digitale Verlag in Frankreich.

Das Digitalgeschäft in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich wuchs im ersten Halbjahr 2019 erneut stark um 25 Prozent. Der digitale Umsatzanteil stieg auf 34 Prozent. Die Digitalangebote der klassischen Magazinmarken in beiden Ländern verzeichneten ebenfalls fortgesetztes Wachstum. AppLike wuchs in Umsatz und Ergebnis stark.

Die DDV Mediengruppe konnte den Umsatz leicht steigern, blieb aber ergebnisseitig unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

BMG

Die Bertelsmann-Musiktochter BMG setzte ihr dynamisches Wachstum im ersten Halbjahr 2019 mit zweistelligen Zuwächsen bei Umsatz und Operating EBITDA fort. Der Umsatz erhöhte sich um 11,4 Prozent auf 269 Mio. € (H1 2018: 241 Mio. €), maßgeblich getragen von organischem Wachstum. Das Operating EBITDA legte derweil um 16,7 Prozent auf 49 Mio. € (H1 2018: 42 Mio. €) zu. Das stärkste Wachstum verzeichnete das Labelgeschäft von BMG, aber auch das Verlagsgeschäft wuchs beim Umsatz kräftig. Der Erlösanteil digitaler Formate am Gesamtumsatz von BMG stieg auf 56 Prozent (H1 2018: 54 Prozent) und spiegelt das kontinuierliche Wachstum des digitalen Streamingmarktes wider.

Im ersten Halbjahr wirkten sich erfolgreiche Veröffentlichungen von Künstlerinnen und Künstlern wie Keith Richards, Kylie Minogue, Lil Dicky, Avril Lavigne, Dido, The Cranberries, AJR und Adel Tawil sowie Nummer-eins-Alben von Jack Savoretti und Kontra K positiv auf das Labelgeschäft von BMG aus. Neue Recording-Verträge unterzeichneten The Shires, Seeed, die Zac Brown Band, Sugar Ray und Richard Marx.

Zu den Erfolgen im Verlagssegment zählten Lewis Capaldi, dessen Hit „Someone You Love“ sich weltweit über drei Millionen Mal verkaufte, und Juice WRLD, der sein erstes Nummer-eins-Album in den USA erzielte. BMG-Songwriter verantworteten im Februar die Rekordzahl von 24 Nummereins- Hits in den Billboard-Charts. Neue Publishing-Verträge unterzeichneten Cage The Elephant, AnnenMayKantereit und Jason Duke.

Zu den wichtigsten Transaktionen des ersten Halbjahres zählten die Ausweitung der Zusammenarbeit mit Black Sabbath, die Gründung des neuen Labels Trojan Jamaica sowie der Ausbau der globalen Verlagspartnerschaft zwischen BMG und dem Latin-Music-Label DEL Records. BMG eröffnete in Hongkong die bisher 15. Niederlassung des Unternehmens, um die Präsenz im asiatischen Markt zu stärken.

Arvato

Die Dienstleistungsgeschäfte von Arvato verzeichneten im ersten Halbjahr 2019 einen positiven Geschäftsverlauf. Arvato konnte sowohl den Umsatz als auch das operative Ergebnis steigern. Der Umsatz wuchs um 2,4 Prozent auf 2,0 Mrd. € (H1 2018: 2,0 Mrd. €), das Operating EBITDA stieg deutlich um 50 Prozent auf 263 Mio. € (H1 2018: 175 Mio. €).

Am 4. Januar 2019 haben Bertelsmann und die Saham Group die Zusammenlegung ihrer weltweiten CRM-Geschäfte vollzogen. An dem neuen Unternehmen, das weltweit unter dem Namen Majorel firmiert und bei Bertelsmann vollkonsolidiert wird, sind beide Partner mit jeweils 50 Prozent beteiligt. Das Geschäft verlief im ersten Halbjahr 2019 wie geplant, die internationale Servicecenterorganisation konnte unter anderem durch die Eröffnung von zwei Standorten in Georgien (Tiflis und Kutaisi) gestärkt werden.

Die Logistikdienstleistungsgeschäfte innerhalb von Arvato Supply Chain Solutions sind im Berichtszeitraum stark und profitabel gewachsen. Zu dieser positiven Entwicklung haben insbesondere die Geschäftsaktivitäten in den Bereichen Fashion-E-Commerce, Healthcare und Hightech beigetragen. Zudem wurde das bestehende weltweite Standortnetzwerk durch die Inbetriebnahme neuer sowie die Erweiterung bestehender Distributionszentren unter anderem in Deutschland, Polen und Hongkong erneut ausgebaut.

Auch die Geschäfte von Arvato Financial Solutions haben sich im Berichtszeitraum erneut leicht positiv entwickelt. Umsatz und operatives Ergebnis liegen über den Werten der Vorjahresperiode. Gestützt wurde diese Entwicklung vor allem durch einen guten Geschäftsverlauf im Bereich Forderungsmanagement in der DACH-Region. Im März 2019 wurde für die Kunden eines international führenden E-Commerce-Marktplatzes eine umfassende Kauf-auf-Rechnung-Lösung erfolgreich implementiert.

Der IT-Dienstleister Arvato Systems ist im Berichtszeitraum organisch und profitabel gewachsen. Zu dieser positiven Entwicklung trugen insbesondere die Serialisierungslösungen im Healthcare-Bereich bei, die in verschiedenen europäischen Staaten realisiert wurden. Zudem verzeichnete das Unternehmen eine steigende Nachfrage nach cloudbasierten Lösungen und wurde von der Gematik für acht weitere Jahre mit dem Betrieb der zentralen Telematikinfrastruktur für die Elektronische Gesundheitskarte beauftragt.

Bertelsmann Printing Group

Der vor allem in Europa und den USA agierende Druckdienstleister Bertelsmann Printing Group (BPG) verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2019 einen Umsatz annähernd auf Niveau des Vorjahreszeitraums sowie ein leicht verbessertes operatives Ergebnis. Der Umsatz der Gruppe ging im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 766 Mio. € (H1 2018: 768 Mio. €) leicht zurück. Das Operating EBITDA belief sich auf 30 Mio. € (H1 2018: 28 Mio. €).

Im April 2019 hat Bertelsmann das in der BPG gebündelte weltweite Druckgeschäft organisatorisch und personell neu aufgestellt. Dirk Kemmerer verantwortet seither die Geschäfte der Gruppe. Gleichzeitig wurde angekündigt, die Produktionskapazitäten im Tiefdruck durch die geplante Schließung des Prinovis-Standorts in Nürnberg im Frühjahr 2021 deutlich zu reduzieren.

Sämtliche unternehmerischen Aktivitäten der Gruppe in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind seit April dieses Jahres in der BPG DACH gebündelt. Die Druckgeschäfte in diesem Geschäftsbereich verzeichneten in den ersten sechs Monaten einen Rückgang in Bezug auf Umsatz und operatives Ergebnis. Europas führende Offsetdruckerei Mohn Media lag aufgrund einer niedrigeren Auslastung im Katalog- und Buchgeschäft unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Prinovis Deutschland hat sich im Berichtszeitraum aufgrund weiterhin schwieriger Marktverhältnisse erneut rückläufig entwickelt.

Das auf Printlösungen für Buchverlage ausgerichtete Unternehmen GGP Media und die auf Zeitschriften und Kataloge im kleinen bis mittleren Auflagenbereich spezialisierte BPG-Tochter Vogel Druck konnten ihr Umsatz- und Ergebnisniveau halten.

Die in der BPG gebündelten Direktmarketinggeschäfte verzeichneten eine insgesamt positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Dies gilt sowohl für die Multichannel-Marketinggeschäfte von Dialog als auch für die Kampagnenmanagement- Services von Campaign als auch für das Multipartner-Bonusprogramm DeutschlandCard.

Die Druckaktivitäten der Gruppe in Großbritannien entwickelten sich wie geplant auf einem guten Ergebnisniveau. Am Standort in Liverpool wurde im Frühjahr eine erste Offsetdruckmaschine in Betrieb genommen. Die Druckgeschäfte in den USA konnten Umsatz und operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2019 steigern. Gründe für diese positive Entwicklung waren Zusatzvolumina bei strategischen Kunden aus den Bereichen Buch und Healthcare.

Die Umsätze in der Speichermedienreplikation entwickelten sich vor dem Hintergrund des rückläufigen Marktes besser als geplant, gingen jedoch erwartungsgemäß zurück. In den USA konnte ein weiterer Großkunde akquiriert und in Europa die Zusammenarbeit mit einem Musikmajor ausgebaut werden.

Bertelsmann Education Group

Die in der Bertelsmann Education Group gebündelten Geschäfte des Konzerns verzeichneten weiterhin eine hohe Nachfrage nach digitalen Bildungsangeboten. Umsatz und operatives Ergebnis der Gruppe legten infolgedessen erneut deutlich zu.

In Summe erzielten die Bertelsmann-Bildungsaktivitäten im Berichtszeitraum ein Umsatzplus von 51,3 Prozent auf 168 Mio. € (H1 2018: 111 Mio. €). Besonders der Online- Bildungsanbieter Relias wuchs signifikant. Das Operating EBITDA der Bertelsmann Education Group verbesserte sich auf 41 Mio. € (H1 2018: 10 Mio. €).

Relias verzeichnete im Berichtszeitraum sowohl organisch als auch akquisitorisch deutliches Wachstum. Die Bertelsmann- Tochter vergrößerte ihre Kundenbasis auf rund 11.150 Institutionen und integrierte die Weiterbildungssparte für den Bereich Gesundheitswesen des Bildungsanbieters OnCourse Learning. Die beiden anderen Bereiche des 2018 akquirierten Geschäfts – Bildungsangebote für den Finanzdienstleistungs- sowie den Immobiliensektor – wurden im ersten Halbjahr 2019 separat verkauft.

Die Online-Weiterbildungsplattform Udacity entwickelte ihr Lehrangebot weiter und führte neue Nanodegree-Programme ein, unter anderem im Themenbereich Data Engineering. Insbesondere das Geschäft mit Unternehmenskunden, darunter Audi und Mercedes-Benz, baute Udacity weiter aus. Bertelsmann hält einen signifikanten Anteil an dem US-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Bei der wichtigsten Partneruniversität von HotChalk entwickelte sich die Anzahl der eingeschriebenen Online-Studierenden in Kursen, die von dem US-Hochschuldienstleister betreut werden, positiv.

Die auf die Bereiche Psychologie und Pädagogik spezialisierte Alliant International University verzeichnete im Berichtszeitraum ein Plus bei Umsatz und Ergebnis sowie einen Anstieg der Studierendenzahl. Auch hier konnte das Online-Geschäft ausgebaut werden.

Bertelsmann Investments

Bertelsmann Investments tätigte im Berichtszeitraum 42 Neu- und Folgeinvestitionen, vorwiegend über die vier im Bereich gebündelten Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI), Bertelsmann Brazil Investments (BBI), Bertelsmann India Investments (BII) und Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI). Parallel gelangen mehrere Exits, sodass Bertelsmann Investments zum 30. Juni 2019 insgesamt 208 Beteiligungen hielt.

Seit dem Start des ersten Fonds, BDMI, hat Bertelsmann auf diesem Weg rund 1 Mrd. € in junge Digitalunternehmen und Fonds investiert. Die finanziellen Rückflüsse im selben Zeitraum betrugen mehr als 600 Mio. €.

Die Geschäftsentwicklung von Bertelsmann Investments wird im Wesentlichen auf Basis des EBIT dargestellt. Dieses lag im ersten Halbjahr 2019 bei -9 Mio. € (H1 2018: 45 Mio. €); der Rückgang ist vor allem auf geringere Marktbewertungen einiger an der Börse gehandelter Beteiligungen von BAI zurückzuführen.

BAI tätigte im Berichtszeitraum 23 Neu- und Folgeinvestitionen. Mehrere Investitionen flossen in die Sektoren E- Commerce – u. a. in die Plattform Club Factory – sowie Bildung. Des Weiteren gelangen BAI mehrere erfolgreiche Exits, darunter der Verkauf aller Anteile am Tech-Unternehmen Bigo.

In Brasilien tätigte Bertelsmann Investments über BBI weitere Investitionen im Bildungsbereich und übernahm unter anderem den Corporate-Training-Anbieter Afferolab komplett. Darüber hinaus unterstützte BBI die Vorbereitungen für den im Juli 2019 erfolgreich vollzogenen Börsengang des brasilianischen Bildungsunternehmens Afya. An Afya ist Bertelsmann über eine Fondsbeteiligung mit dem Partner Crescera Investimentos beteiligt.

BII unterstützte seine Portfoliounternehmen beim weiteren Ausbau ihrer Geschäfte und investierte in Agrostar, eine Online-Plattform für Agrarwirtschaft in Indien.

BDMI zählte 16 Neu- und Folgeinvestitionen, darunter das auf die Live-Übertragung von Sport-Events spezialisierte Netzwerk FloSports sowie das Fundraising-Start-up Omaze.

Bertelsmann Investments beteiligte sich im Berichtszeitraum am Fonds Partech Africa, der in afrikanische Start-ups aus dem Tech-Sektor investiert. Ebenso verstärkt wurde die Präsenz in Europa mit einer Beteiligung am Londoner Venture-Capital- Fonds Blossom Capital, der vorrangig in europäische Unternehmen aus den Sektoren Financial Services, Cybersecurity und Infrastructure investiert.

Nachtragsbericht

Im Juli 2019 erfolgte die kartellrechtliche Zustimmung zu der zu Jahresbeginn verkündeten Übernahme der TV-Aktivitäten der Lagardère Group. Die zur RTL Group gehörende Groupe M6 wird damit unter anderem ihre Senderfamilie um den Marktführer im französischen Kinderfernsehen, Gulli, ausbauen. Das Closing wird für Anfang September 2019 erwartet.

Im Juni 2019 gab Gruner + Jahr bekannt, seinen Anteil an der Motor Presse Stuttgart an die Nachfolger der Gründerfamilie Pietsch, Patricia Scholten und Peter-Paul Pietsch, zu verkaufen. Die Genehmigung des Verkaufs durch die zuständige Behörde erfolgte im Juli 2019.

Im Juli und August 2019 erfolgten die Genehmigungen der Medien- und Wettbewerbsaufsicht in Frankreich für eine gemeinsame Onlinevideo-Plattform. Die Gruppen France Télévisions, TF1 und die zur RTL Group gehörende Groupe M6 werden auf der für das erste Quartal 2020 geplanten Plattform Salto ihr gesamtes Onlinevideo-Angebot bündeln und den Nutzern in einem Abo-Modell zugänglich machen.

Risiko- und Chancenbericht

Risikomanagementsystem

Für die Beschreibung des Risikomanagementsystems (RMS) sowie des rechnungslegungsbezogenen RMS und des Internen Kontrollsystems (IKS) von Bertelsmann verweisen wir auf den zusammengefassten Lagebericht 2018.

Wesentliche Veränderungen der Risiken im Vergleich zum zusammengefassten Lagebericht 2018

Hinsichtlich der Darstellung der wesentlichen Risiken wird ebenfalls auf die jeweiligen Angaben im zusammengefassten Lagebericht 2018 verwiesen. Insgesamt gelten zum 30. Juni 2019 die gleichen Konzernrisiken als wesentlich wie bereits zum 31. Dezember 2018. Jedoch hat sich die Bedeutung einzelner Risikoarten im Hinblick auf die künftige Geschäftsentwicklung von Bertelsmann verändert. Dies ist insbesondere auf Anstiege der Lieferantenrisiken sowie der Risiken aus der konjunkturellen Entwicklung und der Kundenrisiken zurückzuführen. Das bedeutendste Risiko im Konzern stellen Kundenrisiken dar.

Strategische und operative Risiken

Die strategische und operative Risikolage ist für den Konzern im Wesentlichen unverändert gegenüber der Darstellung im zusammengefassten Lagebericht 2018.

Für den Euroraum wird mit einer verhaltenen, aber nach wie vor soliden Wachstumsdynamik gerechnet. Dennoch bestehen einige Risiken angesichts globaler politischer Unsicherheiten wie die Möglichkeit einer Ausweitung protektionistischer Maßnahmen und der ungewissen langfristigen Auswirkungen eines Austritts von Großbritannien aus der EU. Für Bertelsmann könnten sich hieraus vor allem mittelbare Risiken für die werbeabhängigen Geschäfte ergeben.

Rechtliche und regulatorische Risiken

Hinsichtlich der rechtlichen und regulatorischen Risiken wird auf den zusammengefassten Lagebericht 2018 verwiesen. Es sind keine wesentlichen Veränderungen festzustellen.

Finanzmarktrisiken

Die Finanzmarktrisiken bleiben im Vergleich zum zusammengefassten Lagebericht 2018 im Wesentlichen unverändert auf einem geringen Niveau.

Gesamtrisiko

Die Gesamtrisikoposition hat sich insgesamt geringfügig erhöht. Zum 30. Juni 2019 sind für Bertelsmann keine bestandsgefährdenden Risiken festzustellen.

Chancen

Die Einschätzung der Chancen hat sich im Vergleich zur Darstellung im zusammengefassten Lagebericht 2018 nicht wesentlich geändert.

Prognosebericht

Mit Blick auf das Gesamtjahr 2019 wird erwartet, dass die Weltwirtschaft weiterhin in moderatem Tempo wächst. Allerdings belasten drohende Handelskonflikte sowie die gestiegenen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten vor allem die Konjunktur in der Industrie und beeinträchtigen die Investitionstätigkeit. Die Konjunktureinschätzungen des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) zur weltwirtschaftlichen Entwicklung liegen mit 3,2 Prozent für das Jahr 2019 leicht unter den bisherigen Erwartungen.

Im Euroraum wird die Wirtschaft etwas langsamer expandieren als erwartet. Das IfW rechnet mit einem Anstieg des realen BIP von nur noch 1,2 Prozent für das Jahr 2019. Insbesondere die Wachstumserwartungen für Deutschland wurden deutlich nach unten korrigiert. Nach Ansicht des IfW wird das reale BIP 2019 um nur noch 0,7 Prozent zulegen. Die deutsche Wirtschaft leidet zunehmend unter der Abschwächung wichtiger und überwiegend exportorientierter Industrie- zweige. Für Frankreich wird unverändert mit einem Wachstum des realen BIP um 1,4 Prozent im Jahr 2019 gerechnet. Die reale Wachstumsrate in Großbritannien soll nach Einschätzung des IfW bei 1,4 Prozent liegen. Die leicht höheren Erwartungen sind insbesondere auf einen temporären Effekt angesichts der Aufstockung von Vorratsbeständen im Vorfeld des für Ende März 2019 vorgesehenen – und dann verschobenen – Austritts aus der EU zurückzuführen. Der Konjunkturausblick für die USA bleibt positiv. Das IfW rechnet im Jahr 2019 mit einem Anstieg des realen BIP um 2,4 Prozent.

Die vorliegenden Einschätzungen unterliegen nach wie vor einem hohen Ausmaß an Unsicherheit, da die wirtschaftlichen Entwicklungen nur unzureichend prognostizierbar sind. Es bestehen nach wie vor Risiken für die weltweite Konjunktur. Geopolitische Krisen, Staatsdefizite, Währungsturbulenzen oder die Einführung höherer Zölle infolge zunehmender protektionistischer Tendenzen könnten die Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigen. Die hieraus resultierenden Entwicklungen könnten sich negativ auf die Konjunkturlage auswirken, die ein wichtiger Einflussfaktor für die Geschäftsentwicklung von Bertelsmann ist.

Bertelsmann bestätigt die im zusammengefassten Lagebericht 2018 abgegebene Prognose zu Umsatz, Operating EBITDA und BVA für das laufende Geschäftsjahr.

Den Prognosen liegt die gegenwärtige Geschäftsausrichtung des Bertelsmann-Konzerns zugrunde, die im Kapitel „Unternehmensprofil“ dargelegt ist. Generell spiegeln die Prognosen eine Risiko- und Chancenabwägung wider; sie basieren auf der operativen Planung und der mittelfristigen Vorschau für die Unternehmensbereiche. Alle Aussagen hinsichtlich der möglichen zukünftigen konjunkturellen und geschäftlichen Entwicklung stellen Einschätzungen dar, die auf Basis der derzeit zur Verfügung stehenden Informationen getroffen wurden. Sollten die zugrunde gelegten Annahmen nicht eintreffen und/oder weitere Risiken eintreten, können die tatsächlichen Ergebnisse von den erwarteten Ergebnissen abweichen. Eine Gewähr für die Angaben kann daher nicht übernommen werden.